Ich weiß, der Löwenzahn kann sich ganz schön breit machen. Wo so ein kleines Samenkorn gelandet ist und sich ungestört entwickeln kann, bildet sich die Pflanze mit einer kräftigen Wurzel, die man so leicht nicht ausreißen kann. Und trotzdem, oder gerade deshalb lasse ich mich gern von der Begeisterung der Kinder anstecken.
Mit ganz verschiedenen Empfindungen kann man den davonfliegenden Löwenzahnschirmchen nachsehen:
Man kann sich ganz dem Fernweh hingeben: "Mit solcher Leichtigkeit möchte ich mal meinen Alltag hinter mir lassen, mich irgendwo ins Blaue hinein treiben lassen..."
Man kann wehmütig den Schirmchen hinterherschauen und dann resigniert auf den zurückgebliebenen Stängel mit dem leeren Blütenboden blicken und denken: "So wie die Blume sich verausgabt, so ver ausgabt sich mein Leben; alles geht dahin: meine Zeit, meine Träume und Hoffnungen. Meine Kraft verschwendet sich - wofür?"
Ich kann aber auch gelassen und fröhlich die Pusteblume als Sinnbild dafür nehmen, dass ich mich nicht umsonst verausgabe. Ein Teil von dem, was ich tue und rede und wofür ich mich einsetze, tut sicher seine Wirkung - egal ob das im Beruf, in der Kindererziehung, beim Engagement in Vereinen, in der Kirche oder der Politik ist. Im einzelnen kann ich nicht immer verfolgen, welche meiner Bemühungen erfolgreich waren und was fruchtlos geblieben ist. Aber wie von den vielen, vielen Löwenzahnsamen etliche gut landen und aufgehen werden, so wird sicher auch ein Teil meiner Worte und Taten fruchtbar sein.
(Beate Fritzsche)